Grethe, da musst du jetzt mal durch

Verkaufstext in Form eines Artikels mit dem Stilmittel des Storytelling.

Ziel des Verkaufstextes war es einen Termin mit der Auftragsgeberin, einer Zwei-Generationen-Beraterin zu vereinbaren.

Der Artikel erschien im Printmedium und wurde mit Anzeigen von der Auftragsgeberin und ihrer Kooperationspartnerin, welche einen Büro-Organisations-Service für Senioren anbietet, flankiert.

Nach nur einmaligen Erscheinen des Artikels konnte die Auftragsgeberin drei Anfragen sowie zwei daraus resultierende Aufträge generieren.

Empfehlungen und zeitversetzte Anfragen folgten noch Wochen nach Erscheinen des Verkaufstextes, da die Zielgruppe gewohnheitsgemäß, für sich relevante Informationen aus der Zeitung ausschneidet und für einen späteren Zeitpunkt aufbewahrt.

Darüber hinaus wurde der Verkaufstext als Fortsetzungsgeschichte angelegt, da er ebenfalls Einzug in ein Senioren-Magazin hielt.

Die Heldin der Geschichte fungiert als Avatar für die anvisierte Zielgruppe, damit diese sich in der Geschichte und ihren Herausforderungen wiedererkennen kann.

Das Wording ist der Alltagssprache der Zielgruppe angepasst.

Die Namen der Auftragsgeberinnen wurden auf deren Wunsch geändert.

(Beide Damen haben zwischenzeitlich ihre Selbständigkeit aus privaten Gründen aufgegeben)

Grethe, da musst du jetzt mal durch

Früher hat sich mein Herbert um allen Papierkram gekümmert. Als er starb stand ich auf einmal ganz allein da und hätte beinahe den Mut verloren. „Aber ein Pinkerneil gibt nicht auf!“, hat der Herbert immer gesagt.

Guten Tag, mein Name ist Margarethe Pinkerneil. Vor zehn Wochen ist mein Herbert von uns gegangen. Manchmal schäme ich mich und traue mich gar nicht laut zu sagen, dass ich froh bin. Dass er es endlich geschafft hat. Mein Herbert muss nun nicht mehr leiden. Aber man darf das ja nicht so laut sagen. Weil die Leute sonst denken, man sei eine schlechte Ehefrau gewesen. Es heißt ja immer man solle in guten und in schlechten Zeiten zusammenhalten.

Meine Kinder möchte ich nicht mit meinen Sorgen behelligen

Mit meinen Kindern kann ich darüber nicht reden. Die wohnen so weit weg von mir und haben auch nur sehr wenig Zeit. Sie müssen halt viel arbeiten. Und dann haben sie ja auch noch ihre eigenen Kinder, Sorgen und Nöte. Das kann ich schon alles verstehen. Da kann ich sie natürlich nicht noch zusätzlich mit meinen Sorgen behelligen. Ich möchte ihnen ja auch nicht zur Last fallen. Aber manchmal fühle ich mich ganz schön im Stich gelassen.

Obwohl ich es schon schön finden würde, wenn Klaus – mein Ältester, mir bei dem Bürokraten- und Papierkram unter die Arme greifen würde. Dieses Talent hat er ganz klar von seinem Vater geerbt. Mein Herbert war ein guter und sehr gewissenhafter Mann. Der Herbert hat immer gesagt: „Grethe, deine Aufgabe ist es, für ein schöne Wohnung und einen ordentlichen Sauerbraten zu sorgen und ich kümmere mich um das Schriftliche und das Geldverdienen. Damit es unsere Kinder einmal besser haben als wir.“

Jetzt ist der Herbert tot und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll

Bisher musste ich mich nie um Rechnungen und Stromanbieter kümmern. Ja, mein Herbert war da ein ganz plietscher. Der wusste immer was richtig für uns war. „Nepp und Bauernfänger ziehen mich nicht über ‘n Tisch Grethe. Die rieche ich schon auf 10 Meter gegen den Wind.“ So war er halt mein Herbert. Als er dann krank wurde konnte er sich um den Papierkram nicht mehr so kümmern. Da habe ich die ganzen Schreiben in einer schönen Hutschachtel gesammelt.

Wenn Klaus zu Besuch kam, habe ich ihm diese in die Hände gedrückt und gesagt: „Vati möchte, dass du von nun an alles in die Hand nimmst.“ Aber neulich hat Klaus am Telefon zu mir gesagt, er sei in einem schwierigen Projekt eingebunden und habe jetzt noch weniger Zeit. Außerdem wäre es nie zu spät mal selbst die Verantwortung zu übernehmen und schließlich hätte ich auch einen Mund zu fragen. Und dass ich das schon schaffen würde, wenn ich es nur wirklich wollte.

Nach dem Gespräch war ich richtig fertig gewesen. Da verzichtest du dein ganzes Leben lang auf gewisse Dinge, damit es deine Kinder einmal besser haben und wenn du sie dann brauchst drehen sie dir den Rücken zu. Aber eine Margarethe Pinkerneil kriegt man nicht unter.

Gott sein Dank habe ich dann die Anzeige von der Frau Müller von der Bürozeit gelesen

Die hat erst mal die ganzen Schreiben in ordentliche Stapel abgelegt und mir gezeigt, wie man wichtigen Kram von Unwichtigem trennt. Jetzt habe ich alles griffbereit in einem Ordner und den Überblick!

Während die Frau Müller sortiert hat, habe ich Kuchen gebacken und Kaffee gekocht. Den Tisch schön eingedeckt und die Sammeltassen aus dem Schrank geholt. Das war fast wie früher und tat richtig gut und ich war froh, auch einen Teil beizutragen. Im Kuchenbacken bin ich nämlich unschlagbar, hat der Herbert immer gesagt.

Die Frau Müller und ich haben dann irgendwann auch über meinen Klaus gesprochen. Vielleicht habe ich mich auch ein bisschen beklagt, dass Klaus mich so gar nicht versteht. Ich habe wohl auch erwähnt, wie traurig ich bin, dass ich seit Wochen nichts von ihm gehört habe. Als ich mich so in Rage redete sagte ich auch, dass ich manchmal das Gefühl habe, auf der Entbindungsstation das falsche Kind ausgehändigt bekommen zu haben. Was natürlich Nonsens ist. Klaus sieht seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten aus.

Die Frau Müller hat mich dabei dann so nachdenklich angesehen, ihre Stirn in Falten geworfen und gemeint:

„Sie müssen Maria Wedekind mal kennen lernen. Die ist genau die richtige Frau, die sich zu diesem Thema auskennt. Da habe ich erst gedacht die Frau Wedekind ist eine Psychologin und da war ich natürlich entsetzt über diesen Vorschlag. Mein Herbert hätte niemals erlaubt, dass ich einen „Idiotendoktor“ aufsuche!

Da hat die Frau Müller zuerst gelacht und dann etwas strenger gesagt: „Frau Pinkerneil! Was ist das denn für ein Ausdruck? So kenne ich sie ja gar nicht!“ Das war mir dann schon sehr peinlich und unangenehm. Kleinlaut habe ich mich dann entschuldigt und nachgefragt, wie mir die Frau Wedekind denn wohl helfen könne, wenn sie keine Psychologin ist. „Was ist sie denn?“, habe ich nachgefragt.

"Sie müssen Maria Wedekind mal kennen lernen!"

Na ja, was soll ich sagen. Meine Frau Müller ist eine praktische Frau und packte den Stier bei den Hörner. Sie rief die Frau Wedekind kurzerhand über ihr kleines Handtaschentelefon an und ehe ich mich versah, hielt ich das Ding in der Hand und habe mit Frau Wedekind gesprochen.

Die war ganz anders, also von der Stimme her, als ich mir vorgestellt hatte. Wir haben uns dann zu einer Tasse Kaffee verabredet. Frau Wedekind erschien dann auch pünktlich zum vereinbarten Termin. Ich hatte ganz schönes Herzklopfen – das kann ich ihnen sagen.

Vor lauter Aufregung ist mir beim Kaffee einschenken der Deckel der Kaffeekanne direkt in Frau Wedekinds Tasse geplumpst

Oh weia. Das war vielleicht eine schöne Bescherung. Die ganze Bluse habe ich von oben bis unten mit Kaffee vollgespritzt. Oh Gott, war mir das peinlich. Am liebsten wäre ich in Grund und Boden versunken. Aber wie das nun mal so ist im wirklichen Leben. Es öffnet sich kein Loch im Dielenboden. Um es mit Herberts Worten zu sagen: „Grethe, da musst du jetzt durch!“

Als Frau Wedekind dann herzlich zu lachen anfing und mir versicherte, dass ihr das ständig passieren würde war das Eis zwischen uns gebrochen. Nun konnte ich auch erleichtert lachen. So haben wir uns an diesem Nachmittag prächtig unterhalten. So im Nachhinein würde ich sagen, dass Frau Wedekind bestimmt nicht ständig Kaffeekannendeckel in anderer Leute Sammeltassen plumpsen lässt. Aber in diesem Moment fand ich es so lieb von ihr, dass mein schlechtes Gewissen ganz schnell schrumpfte. Sehr beeindruckt hat mich, dass Frau Wedekind gleich auf Anhieb verstanden hat, was ich wie meinte. Also zum Beispiel….

Fortsetzung folgt

Ist es dir aufgefallen?

Der Artikel ist auf das typische Leseverhalten von Scannern ausgelegt, welche anhand des Überfliegens der Überschrift und den Zwischenüberschriften entscheiden, ob sie den ganzen Artikel lesen.

Folglich ergeben die Überschrift und die nachfolgenden Zwischenüberschriften eine in sich geschlossene Teaser-Geschichte, die Lese-Lust auf mehr machen soll.